25.03.2008 - Stephan Fassmer
Das Wiederveröffentlichen von älteren Spieltiteln kann ja durchaus eine nette Idee sein, wie die Neuauflage von 'Siedler II: Die nächste Generation' bewiesen hat. BlueByte haben vor zwei Jahren ein Remake des unglaublich erfolgreichen Spiels von 1996 hingelegt und gezeigt, dass ein tolles Spielprinzip auch noch funktionieren kann, wenn es schon zehn Jahre auf dem Buckel hat. Mit zeitgemäßer Grafik versehen und um einige Funktionen erweitert, kann so auch einer neuen Spielergeneration ein Klassiker nahe gebracht werden.
Und jetzt kommt der Witz! 'Majesty: The Fantasy Kingdom Sim' ist nicht etwa ein Remake des Klassikers aus dem Jahr 2000, es ist tatsächlich das Original! Keine aufgebohrte Grafik, keine zusätzlichen Funktionen oder weitere Karten, aber dafür ohne Handbuch. Gerade das Letztere ist einen besonderen Humorpunkt wert, da zum einen das ausführliche Handbuch damals sehr gelobt wurde und es, wie zu der Zeit leider noch üblich, kein Tutorial gab/gibt.
Aber bleiben wir fair. Wenn ihr erst einmal in das Spiel hineingefunden habt (so kompliziert ist es dann doch nicht), erwartet euch ein recht kurzweiliges Strategiespiel mit ganz netten Ansätzen. Im Gegensatz zu anderen Spielen dieses Genres habt ihr keine direkte Kontrolle über eure Einheiten. Alles, was ihr tun könnt, ist, Gebäude zu errichten, dort die Einheiten anzuwerben, Geld zu scheffeln und mit Belohnungen die Helden dazu zu bringen, bestimmte Aufgaben zu erledigen.
Das hört sich eingeschränkter an, als es in Wirklichkeit ist. Denn in jeder der 20 frei wählbaren Missionen sind nicht alle Einheiten oder Zauber verfügbar. Zudem entwickeln die Helden dank der für die damalige Zeit gar nicht so schlechten KI ein durchaus eigenwilliges Verhalten. Erst wenn ihr sie mit Belohnungen lockt, die ihr per Marker auf ein Gebäude oder ein Monster steckt, werden sie in eurem Sinne agieren. Auch die zu Anfang fast völlig schwarze Karte wird auf diese Weise erforscht.
In gewissen Rahmen enthält 'Majesty: The Fantasy Kingdom Sim' auch Rollenspielelemente, denn alle Helden können sich weiterentwickeln. Zu viel solltet ihr aber nicht erwarten. Die Helden unterscheiden sich nicht optisch, sondern nur durch Namen, das Menü ist sehr unübersichtlich, es gibt keinen Fog of War - ist die Karte aufgedeckt, sind alle Vorgänge sichtbar und die einzige Ressource ist Gold. Immerhin gibt es einen Multiplayer-Modus über LAN, Internet und sogar serielles Kabel (so ihr denn einen Mitspieler findet).
Die Grafik von 'Majesty: The Fantasy Kingdom Sim' trennen aufgrund des Alters natürlich Welten von aktuellen Titeln wie 'Medieval II'. Ein gewisser Retro-Charme ist der Optik zwar nicht unbedingt abzusprechen, alles ist schön bunt in 2D und die Sprites der Helden und Monster sind putzig anzusehen. Das Menü allerdings, das ungefähr ein Viertel des Bildschirms einnimmt, ist grob gezeichnet und unübersichtlich. Wenigstens die Soundkulisse ist erträglich. Ein positiver Faktor soll hier nicht außer Acht gelassen werden: Das Spiel bekommt ihr auch noch auf dem alten Bürorechner eures Vaters zum Laufen. weiter...
Wer die letzten acht Jahre im Koma lag und von aktuellen Spielen überfordert ist, der kann sich 'Majesty: The Fantasy Kingdom Sim' für knapp 10 Euro ruhig besorgen.
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Kommentare
codewright
Ich stimme Broxla voll zu. Ein 8 Jahre altes Spiel, was offensichtlich kein Remake ist und von Paradox netterweise für die Spieler angeboten wird, die bisher noch nicht die Chance hatten dieses einzigartige Spiel auszuprobieren, mit den Worten "in keiner Hinsicht mehr zeitgemäß" in den Boden zu rammen ist lächerlich. Es gibt nur wenige Spiele die sich so weit vom Mainstream entfernen und daran ändern auch 8 Jahre Alter nichts.
Um so erfreulicher finde ich, dass Paradox Interesse zeigt ein Spiel im Sinne von Majesty zu entwickeln. Im Gegensatz zu dem Einheitsbrei der regelmäßig tolle Wertungen von allen Magazinen absahnt, weil die Grafik wieder ach so toll ist, könnte das wenigstens ein wirklich interessantes Spiel werden. Tolle Wertungen erwarte ich natürlich nicht.
Tun sie das?
Für mich sieht das einfach wie eine Budget-Neuauflage eines alten Titels aus.
Lucas Arts verschachert zur Zeit doch auch ein paar ihrer Dosspiele für zehn Euro, und da mosert keiner rum.
Persönlich wär's mir allerdings lieber, wenn Paradox ein paar Kröten investiert, und auch gleich das nie bei uns erschienende Add-on dazugepackt hätte. Aber das hätte man natürlich erstmal übersetzen müssen.
Frech finde ich eher, dass Paradox einen 8 Jahre alten Titel als Neu verkauft ...
Broxla
Frechheit
Die Bewertung von 30% ist unverschämt. Ich persönlich halte Majesty für eines der innovativsten Spiele des letzten Jahrzehnts. Was hat sich denn bitte sonst auf dem Echtzeitstrategiemarkt getan? Fangen wir bei Dune 2, Command & Conquer oder Age of Empires an. Egal wie die Einheiten in diesen Spielen auch genannt werden, egal wie minimal unterschiedlich doch ihr Technologiebaum ist - es geht doch immer um das selbe: "Sammeln sie 3,4,5 verschiedene Rohstoffe; stelle eine Armee zusammen, die nach dem "Schere, Stein, Papier"-Prinzip halbwegs ausbalanziert ist; fasse sie mit einem Rahmen zusammen und klopp auf das drauf, was noch atmet." Haha, lustig. Beim 100sten Abklatsch aber eher langweilig.
Majesty war und IST anders. Die Tatsache, dass man Einheiten nicht selbst steuern konnte (ausser über Belohnungen für selbige), sondern anhand der Wahl der richtigen Gebäude eine Strategie ausknobelte war innovativ. Oder kann mir jemand ein Spiel nennen, welches von dem Command & Empires Einheitsbrei vom Kurs abgewichen ist - von den reinen Echtzeitstrategiespielen? Vielleicht hatten "Die Siedler" oder die Anno-Reihe den Mut dazu. Aber da kommen wir schon arg in den Wirtschafts-/Aufbauspielebereich.
Zum Thema Umfang: "nicht einmal besonders fordernden Missionen und dem freien Spiel" kann ich nur sagen: Dünne Berichtserstattung! Schonmal ein Random-Spiel auf Experten Modus versucht, Herr "Redakteur"? Ich spiele Majesty schon seit dem Release im besagtem Jahre 2000 und scheitere dennoch an ca. einem Drittel der Random Spiele.
Nächster Stop: Grafik. Ja, ich gebe hier dem "Berichterstatter" recht. Heute sicherlich nicht mehr zeitgemäß und auf aktuellen Rechnern (ohne Tools) aufgrund der u.a. damit verbundenen Spielgeschwindigkeit fast nicht spielbar; aber was erwartest Du bitte? Ich packe "Universe at War" 8 Jahre in den Schrank und bei der dann folgenden Neuinstallation glänzt es auf dem Bildschirm? pffft
Aber um nochmal auf den Schwierigkeitsgrad zurückzukommen: Die Tatsache, dass ein Add-On (zur Info: "The Northern Expansion") existiert, welches sich der Problematik unterforderter Spieler angenommen hat, sollte in einer guten Recherche nicht fehlen - oder doch?
Es ist wie schon gesagt eine Unverschämtheit; ein Spiel so zu bewerten, welches a) ein gutes Alter auf dem Buckel hat (das in Bezug auf Grafik, Sound und Aufmachung), b) innovative Wege beschritten hat, die, meiner Meinung nach, auch erfolgreich waren und letztlich c) einen Charm und Witz (ach ja - auf die humorvolle Namensvergabe der Untergebenen wurde ja nicht eingegangen) besitzt, der bei so manchem Spiel heute fehlt.
Fazit: Das Spiel hat aus heutiger Sicht sicherlich sehr viele Macken - neben Grafik auch sicherlich die KI. Es deswegen mit 30% an den "Pranger" zu stellen halte ich für unfair. Wie schon bereits erwähnt findet es selbst nach 8 Jahren bei mir noch Platz auf der Festplatte. Un das aus einfachen Gründen: Es ist herausfordernd, witzig und vor allem: es ist anders.
Ich kann den Kauf dennoch nur bedingt für Anfänger empfehlen, da, wie schon oben beschrieben, die Spielgeschwindigkeit auf aktuellen Rechnern einfach zu frustrierend wäre.