06.12.2006 - Sören Lohse
Stockdüstere Nacht. Die raue See trommelt gegen das Boot, wieder und wieder prallen harte Wellen an den Bug unseres mächtigen Zerstörers. Uns gegenüber: Eine Meute gegnerischer Einheiten, die nur darauf wartet, unsere Nussschale physikalisch korrekt auf den Grund des Meeres zu befördern. Es sind vier, vielleicht fünf, die uns einkreisen. Flucht? Zu spät. Kapitulieren? Kommt nicht in Frage! Also die imaginären Segel gesetzt und volle Kraft voraus ins ungewisse Schlachtgetümmel. Rumms! Chancenlos geht unser Kutter nur wenige Minuten später unter, die riesigen Löcher nach Torpedoeinschlägen sind Schuld. Hätten wir etwas anders machen können? Der Lead Programmer schüttelt den Kopf: „Das ist Teil der Story“. Wohl eine „Geschichtsstunde“, die er im Verlauf der Präsentation des Öfteren erwähnen wird.
Noch nicht reif für HollywoodRumänien, wahrlich kein Land, das sich in der Vergangenheit einen Namen als ruhmreiche Seefahrernation machen konnte. Da verwundert es umso mehr, dass mit 'Silent Hunter 4: Wolves of the Pacific' schon die zweite Auskopplung der Simulation in der rumänischen Hauptstadt Bukarest entsteht. Nachdem man sich als Spieler in der Naval Academy, der besonders für Einsteiger interessanten Einführung in die knallharte Simulation, ausgetobt hat, stürzt man sich in die Kampagne. Dabei stehen verschiedene Parameter zur Auswahl: Im Zeitraum zwischen 1941 bis 1943 darf der Spieler beginnen, wählt neben einem Heimathafen auch sein erstes Schiff. Dann kann es schon losgehen. In der dynamisch generierten Kampagne erhaltet ihr abwechslungsreiche Missionen und kommt so nicht umhin, Schiffe zu versenken, Piloten abgeschossener Flugzeuge zu retten oder euch an der wirklich gelungenen Grafik satt zu sehen. Dank der Dynamik ist jeder Level anders, der Wiederspielbarkeitsfaktor enorm hoch. Ohne Cutscenes und viel Tamtam wird das Briefing präsentiert. Eigentlich schade, denn dabei geht einiges an Spannung verloren. Mit dem Start unserer ersten Mission finden wir uns im Hafen von Midway wieder. Sonnenuntergang, der Himmel färbt sich in ein malerisches Orange, die See ist ruhig. Zeit genug, um sich einen kurzen Überblick zu verschaffen. Das Wasser erscheint unglaublich plastisch, während die Modelle der Schiffe offensichtlich mit viel Liebe zum Detail erarbeitet wurden, streckenweise könnten sie allerdings noch die eine oder andere hoch auflösende Textur vertragen. Apropos Auflösung: Die ist erstmals nicht mehr auf einen Standard begrenzt, sie kann nach den eigenen Wünschen hoch- und runtergeschraubt werden – ein spätes Novum für die Serie.
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