27.08.2009 - Jens Quentin
Alan Wake beliebt zu scherzen. Ist er mit seinem Kumpel Barry unterwegs, nimmt er den mit zahlreichen Allergien und Phobien „gesegneten" Hypochonder ordentlich auf die Schippe. Während die beiden eine entlegene Holzhütte im Wald durchsuchen, blendet Alan den beleibten Barry zum Beispiel gern mal mit der Taschenlampe. Oder er schaltet einfach mal das Licht aus und knipst es erst wieder an, wenn das Gemecker seines Freundes nicht mehr auszuhalten ist. Dabei hat der Autor eigentlich nicht viel zu lachen: Seine Frau ist verschwunden und bei der Suche nach der Vermissten erwachen immer wieder Passagen aus seinem eigenen Roman zu unheimlichem Leben.
Damit wären wir gleich bei zwei wichtigen Features von Alan Wake. Zum einen messen die Entwickler von Remedy der Interaktion mit anderen, nicht spielbaren Charakteren eine große Bedeutung bei. Zum anderen ist das Zusammenspiel von Licht und Schatten und das Ausnutzen von Lichtquellen elementarer Bestandteil dieses Thrillers. Ja genau, Alan Wake versteht sich selbst als spielbarer Psycho-Thriller. Statt sich mit den bekannten Vertretern aus dem Bereich Survival-Horror zu messen, wird konsequent die Nähe zu Serien wie Twin Peaks oder Filmklassikern wie Die Vögel oder Poltergeist herausgestellt. Auch die Bestseller von Horror-Autor Stephen King haben die Fantasie der Remedy-Entwickler sichtlich beflügelt. So ziemlich alle Urängste des Menschen werden beim Spielen strapaziert, allen voran die Angst vor der Dunkelheit.

Das Element Licht ist überlebenswichtig, da eure unheimlichen Feinde die Dunkelheit brauchen. Somit sind Lichtquellen, wie die obligatorische Taschenlampe oder die Leuchtpistole, wichtiger als Schrotflinte oder Pistole. Beim Einsatz der Leuchtpistole werden übrigens auch die superben Lichteffekte des Spiels deutlich. Der Himmel über den Wipfeln wird in sattes Rot getaucht und die Bäume werfen einen unheimlichen Schatten. Da am Himmel gefiederte Gegner lauern, ist die sie nicht nur geeignet, um Licht ins düstere Unterholz zu bringen.
Am meisten haben uns allerdings die Angreifer am Boden beeindruckt. Wenn Alan sich auf einer Lichtung umsieht und auf einmal fünf Schatten in Gestalt von Minenarbeitern vollkommen lautlos in gebückter Haltung auf den Schriftsteller zugehen und man die Umrisse der Spitzhacken in ihren Händen erkennt, bekommt man es wirklich mit der Angst zu tun. Die Animationen der schleichenden Schattenmänner sind dabei absolut sehenswert, hier ist die Nähe zur Horrorstreifen wirklich offensichtlich und kein hohles PR-Gefasel. Während andere Videospielcharaktere nun eine Handfeuerwaffe zücken, greift Alan zur Taschenlampe. Der Lichtstrahl schneidet durch die Dunkelheit und fräst sich förmlich wie ein Schneidbrenner in den düsteren Gegner. Dieser wird geschwächt und kann nun auch mit konventionellen Waffen bearbeitet werden.
Soweit man das anhand der gezeigten Version sagen kann, trägt die Technik ihren Teil dazu bei, echtes Flair zu erzeugen. Angefangen von den feinen Texturen der Gräser im Unterholz und dem mit Rissen und Wurmlöchern versehenen Holz der Waldhütte über die realistisch dargestellten Reifenspuren im Schlamm bis hin zur zerschlissenen Jacke des Protagonisten: Remedy ist auch hier auf einem guten Weg zu einem aufwendig und mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzten Psycho-Thriller.Veredelt wird das Ganze durch eine Musik, die genau wie in einem guten Kinothriller durch geschickten Einsatz schon allein für Gänsehaut sorgt.
In den Zwischensequenzen ist vor allem die Mimik der NPCs bemerkenswert, die authentisch rüberkommt und die Atmosphäre zusätzlich verdichtet. Hinzu kommen noch Schauplätze wie der einsame Leuchtturm an einer verlassenen, zerklüfteten Küste und die einsame Landstraße, wo das gleißende Licht der Straßenlaternen den Nebel zerschneidet. Ein Video-Interview mit Matias Myllyrinne und Oskari Häkkinen von Remedy, die wir nach der Präsentation für ein Gespräch gewinnen konnten, haben wir übrigens auch gedreht.
Wer nicht nur stumpf schnetzeln und metzeln, sondern sich mal richtig amtlich gruseln will, sollte Alan Wake im Frühjahr 2010 eine Chance geben.
PC-Version ab sofort erhältlich [4]
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Kommentare
Hole ich mir 100%! Geiles Game!
Mein PC wird das Ding sicherlich nicht packen.
Wegen der Story braucht man sich wohl bei Remedy keine Gedanken machen - das hat bisher immer gut gepasst. Hinsichtlich der Steuerung finden sie sicher auch eine praktikable Lösung und mal schnell zwischen LAmpe und Waffe switchen, dürfte auch für Xboxler kein Problem sein. Ich freu mich jedenfalls drauf
Bei sowas denk ich mir öfters wo das Klebeband ist mit dem die Taschenlampe an die Pistole geklebt werden kann.

Bei Doom 3 fand ich das recht zwigespalten da einerseits es zu den Effekten dazugehört, nur eines von beiden zu tragen andererseits aber recht unsinnig ist nur eines von beiden halten zu können ohne eine sehr gute Erklärung oder ärztlichen Attest
In den Trailern kann Alan sowohl Taschenlampe als auch Pistole gleichzeitig halten.
Viele Grüße,
Yves
Kann ich daraus schließen, dass wir nach dem Doom 3-Soldaten eine weitere Heldenfigur bekommen, die nicht gleichzeitig Taschenlampe und Pistole halten kann?
Ist ja nicht so, als wäre es das erste Spiel, in dem man seine Gegner schwächt, bevor man sie tötet bzw. töten kann.
Na weil statt gleich die Waffe zu zücken, er vorher noch schnell belichtet und dann trotzdem die Waffe nimmt. Ich hätt sowas wie eine kurze Lähmung erwartet, welche je nach schwierigkeitsgrad sich verkürzt.
Muss ja nicht immer gleich alles getötet oder erledigt werden.
Find es sehr schade dass es XBox360 exklusiv ist...

Mein PC wird das Ding sicherlich nicht packen.
Aber Uncharted2 und GodOfWar3 sind bestimmt auch nicht verkehrt
Wieso soll das denn lächerlich sein?



Ist ja nicht so, als wäre es das erste Spiel, in dem man seine Gegner schwächt, bevor man sie tötet bzw. töten kann.
Dass Licht ein Zobie schwächt, welcher sich grundsätzlich durch die Dunkelheit bewegt, finde ich dabei garnicht so absurd, wenn man mal daran denkt, dass sogar der menschlichen Spezies ein plötzlicher Lichtstrahl in die Augen, wenn es zuvor dunkel war, einige Sekunden der lichtbedingten Wahrnehmung nimmt
Ich bin hierbei sehr nachsichtig, was die Story angeht, man findet heutzutage auch keine wirklich gute Story in Horrorfilmen, da wird es in Games noch schwieriger. Hauptsache es ist weniger stupide als die Stroy von der "Säge"-Film-Reihe
Ich bin auf jedenfall sehr gespannt auf das Game, es steht neben Bioshock 2 auf jedenfall auf meiner "import from India"-Liste
Ich musste bei dem "Filmreif und fies" Absatz lachen. Statt gleich zur Waffe zu greifen, erst Lampe dann Waffe. Lächerlich sowas.
Rest klingt nach einer Story die damit endet, das der Spieler erfährt, dass keiner der Dunkelheit entkommen kann und wo Licht ist ist auch Schatten.
Mal sehen was das Spiel letzendlich wird.