08.06.2009 - Stephan Fassmer
Jeder, der Dickens gelesen hat, weiß natürlich, dass London Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem von Armut und Elend geprägt war. Am Ende des Jahrhunderts schlachtete sich einer der berüchtigtsten Serien-Killer aller Zeiten durch die Armenviertel Londons: Jack the Ripper. Ganz klar ein Fall für Sherlock Holmes - wenn auch Arthur Conan Doyle die beiden nie hat aufeinander treffen lassen. Das Adventure beginnt mit dem Mord an einer Prostituierten im Londoner Bezirk Whitechapel. Holmes geht zunächst zurückhaltend an den Fall heran, weil er der Polizei - noch - nicht in die Arbeit pfuschen will.
Ehe Holmes und Watson Einsicht in die Polizeiakten gewährt wird, müssen sie erst einmal einige verschachtelte Botengänge erledigen. Dies ist nicht nur unter der Würde des Meisterdetektivs, sondern durchbricht inhaltlich auch die düstere Grundstimmung, die im Intro geschaffen wurde. Das ist umso bedauerlicher, da optisch die Atmosphäre von Londons Armenviertel hervorragend eingefangen wurde.
Die verwinkelten Gassen zwischen den verfallenen Häusern sind nebelverhangen, an jeder Ecke stehen die ärmlichen Frauen käuflicher Zuneigung und in der Gosse liegen betrunkene Bettler. So finster wurde die Welt des viktorianischen Zeitalters bis jetzt in noch keinem Abenteuer dargestellt. Für manch einen vielleicht ein bisschen zu viel des Guten (bzw. Schlechten), aber dem Thema des Adventures durchaus angemessen. Die Szenerie wirkt durch die Bank lebendig, wenn auch manchmal etwas verwirrend, weil einige Figuren doch ein wenig zu häufig auftauchen. Hoffentlich werden die Entwickler da noch etwas nachbessern und mehr unterschiedliche Charaktere einbauen.
Holmes und Watson haben einen hohen Wiedererkennungswert, denn an der Grafik hat sich seit dem letzten Titel nichts Wesentliches geändert. Das ist aber nicht allzu dramatisch, solange die Atmosphäre stimmt. Zudem bekommt ihr Holmes unter Umständen gar nicht zu Gesicht. Denn wie schon im Vorgänger Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin könnt ihr den Detektiv auch dieses Mal wieder aus der Ich-Perspektive steuern. Das hat nicht nur den Vorteil des Mittendrin-Gefühls, sondern ergibt in vielen Situationen auch Sinn, da ihr eure Umgebung so genauer betrachten könnt. Allerdings besteht auch die Gefahr, das eine oder andere Mal die Übersicht zu verlieren. Zum Glück könnt ihr aber jederzeit in die Standard-Draufsicht-Perspektive wechseln.
Die Steuerung geht in beiden Perspektiven gut von der Hand und das aus der Reihe schon bekannte Inventar ist wieder übersichtlich und hilfreich gestaltet. Es finden sich hier nicht nur aufgenommene Gegenstände, sondern auch alle gelesenen Dokumente und ein Report. Besonders sinnvoll ist die Auflistung der geführten Dialoge, vor allem da diese in unserer Testversion noch nicht zu hören waren und die Untertitel nur für extreme Schnellleser zu verfolgen waren. Ohne die Notizfunktion wäre uns der eine oder andere Hinweis sicherlich entgangen. Aber das wird sich bis zur Fertigstellung des Titels natürlich noch ändern.
Hinweise werden in Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper aber auch auf ganz neue Weise eingesetzt. So langweilig die Botengänge und Rätsel am Anfang auch waren, so spannend ist die Auswertung aller Indizien am Ende des ersten Kapitels gewesen. Hier kann euer Verstand - und der des großen Meisters - noch einmal zur Hochform auflaufen. Auf einer Schautafel müssen alle Hinweise richtig miteinander kombiniert und die korrekten Schlussfolgerungen gezogen werden. Damit nicht genug: Der Tathergang (mit Watson als Testobjekt) soll auch noch aufgrund der Schlussfolgerungen mit allen wichtigen Details rekonstruiert werden. So schaut ihr Sherlock Holmes nicht nur über die Schulter, sondern hört geradezu seine Synapsen knacken. weiter...
Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper wird wohl das düsterste aller Holmes-Adventures werden.
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Kommentare
Es wird schon gut werden und deswegen hole ich es mir dann. Und noch mal zum Release, der kann nicht ganz stimmen!
Einen Meilenstein erwartet sowieso niemand, nur ein stimmiges Adventure in diesem unverbrauchten Setting.
Die letzten Teile waren schon keine Meilensteine!
Da bleib ich lieber beim Roman.
Mit dem Punkt stimme ich nicht ganz überein. Ich weiß nicht ob es an der von mir gespielten Demoversion lag, aber ich fand London nicht dreckig genug (wenn man an die Zeit damals denkt). Saubere, fast sterile Strassen mit NPC´s die stumpf von A nach B laufen und Spielcharaktere, die an den NPC´s hängen bleiben und auf der Stelle joggen, erzeugen bei mir nicht gerade viel Atmosphäre.
Darauf bin ich schon sehr gespannt, ich liebe das Setting.
Aber der Release 20.03.2009 kann nicht ganz stimmen.