01.09.2004 - R Kwiecin
Falls ein Teil der Spielergemeinde ein leicht aufgewärmtes jährliches Update befürchtet, kann man die Fans getrost beruhigen. Nach dem zweiten Teil der Survival Horror-Reihe haben sich die Designer in zwei unterschiedliche Teams aufgesplittet und so wurde parallel am dritten und vierten Spiel gearbeitet. Dabei sieht man auch schon zu Beginn des vierten Teils, dass beide Entwicklerteams zwei unterschiedliche Ansätze hatten. ’Silent Hill 4: The Room’ unterscheidet sich zwar nur leicht von seinem Vorgänger, bringt aber einige neue Features mit: So findet sich der Spieler zu Beginn in einem Apartment wieder, aus dem er nicht heraus kann. Die Tür ist mit schweren Ketten versperrt und eindeutige Warnungen auf der Tür lassen Schlimmes erahnen. Zudem erklingen fürchterliche Geräusche aus dem benachbarten Badezimmer, die den Spieler etwas neugierig werden lassen. Die Navigation im Apartment erfolgt dabei in der Ego-Perspektive und vermittelt so einen ganz neuen Blick auf das Spielgeschehen.
Living largeUntersucht man die Räume des Apartments, fällt schnell auf, dass im Badezimmer ein großes dunkles Loch in der Wand zu finden ist. Nachdem man durch dieses geklettert ist und somit praktisch die Dimension wechselt, findet sich der Spieler wieder in der gewohnten Horrorwelt der ’Silent Hill’-Spiele. Dreckige, blutige und mit Rost bedeckte Wände in menschenleeren Umgebungen erwarten den Spieler, der sich wieder einmal verschiedener Monster erwehren muss. Direkt am Anfang wird man auch schnell angegriffen und muss gegen Kreaturen kämpfen, die aus der Wand ragen und praktisch mit dieser verschmolzen sind. An diesem Punkt sieht man wieder einmal die Kreativität der ’Silent Hill’-Entwickler, die immer für ein paar besonders kranke Ideen zu haben sind. Ein weiteres Geschöpf rennt hier zum Beispiel auf den Händen und hat zwei Köpfe, deren Gesichter von zwei Säuglingen stammen könnten.
Wenn diese Bestie kreischend auf den Spieler zurennt, läuft auch erstmal ein Schock durch die Glieder, bevor man richtig reagiert und die Waffe zieht. Letzteres ist übrigens dank einer Autoaim-Funktion ziemlich einfach einzusetzen. So visiert der gewählte Charakter immer den nächsten Gegner an und es ist kein Kunststück, den Monstern eine gehörige Bleivergiftung zu verpassen. Zu aller Überraschung tauchen später aber einige Geschöpfe auf, die man leider nicht mit ein paar Kugeln vom Himmel holen kann: Fliegende Zombies greifen den Hauptdarsteller Henry mit psychischen Attacken an und stellen eine ziemliche Bedrohung dar. Zum Glück tauchen früher oder später weitere schwarze Löcher in der Umgebung auf, durch die Henry in sein Apartment zurückklettern kann. Hier fühlt man sich sicher, füllt seine Energie auf und versucht zu begreifen, was gerade passiert ist. Ironischerweise geht der wahre Horror später genau in dem Apartment los, in dem man sich eigentlich relativ sicher gefüllt hat…
Kleine Verbesserungen’Silent Hill 4: The Room’ bietet zwar kaum etwas Neues, stellt aber eine gute Fortsetzung des exzellenten dritten Teils dar und die hinzugekommenen Features frischen den Titel wieder etwas auf. Gerade die Ego-Perspektive könnte man in zukünftigen Teilen sicher noch in anderen stimmungsvollen Situationen einsetzen und damit eine viel beklemmendere Atmosphäre schaffen.
Technisch setzt das Spiel, dem ersten Eindruck nach, auf die selbe Engine, die von den Entwicklern schon beim dritten Teil genutzt wurde. Die Umgebung ist gewohnt dreckig und die fürchterliche Klangkulisse lässt den Puls des Spielers nach oben wandern. Die Technik selbst wurde nicht wesentlich verbessert, jedoch ist die Steuerung im Vergleich mit dem Vorgänger noch besser geworden. Grade das Zielen, Schlagen und Schießen geht nun sehr einfach von der Hand und benötigt keine Fingerakrobatik mehr. Der obligatorische Störfilter über dem Bild ist übrigens wieder einmal an Bord.
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