Test - Anarchy Reigns : Schattenseiten der Spielhallenära

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Es heißt, der erste Eindruck sei entscheidend. In Sekundenschnelle bildet unser Gehirn unbewusst eine Meinung. Das ist überall so: Sei es bei Verabredungen mit unbekannten Personen, im Arbeitsalltag oder bei Filmen, Musik und Spielen. Das Prügelspiel Anarchy Reigns startet mit einem einzelnen Bild, ohne Musik und mit etwas Fließtext über das Szenario. Aber, hey, was kann bei einem Projekt von Platinum Games schon schiefgehen? Die haben schließlich auch Bayonetta aus dem Hut gezaubert.

Die toughe Hexe feiert aber nur eine untergeordnete Wiederkehr. Vielmehr steht Jack Cayman im Mittelpunkt, der vielleicht dem einen oder anderen Wii-Besitzer bekannt vorkommen dürfte. Schließlich war dieser Muskelprotz im brutalen Comic-Abenteuer MadWorld Teilnehmer der TV-Show Death Watch. In Anarchy Reigns packt er wieder seine doppelte Kettensäge aus. Auf den prägnanten Grafikstil wird verzichtet, dafür geht es auch nur halb so deftig zur Sache. Zwar besitzt Anarchy Reigns eine Altersfreigabe ab 18, vom roten Lebenssaft fehlt trotzdem fast gänzlich jede Spur, was jedoch nicht bedeutet, dass die Protagonisten zimperlich mit ihren Gegnern umgehen. Als besonders derbe entpuppen sich die Finisher.

Harte Schale, härterer Kern

Neben dem ergrauten Jack, einem berüchtigten Chaser (eine Art Kopfgeldjäger), gibt es noch Leonhardt Victorion. Leo ist das genaue Gegenteil von Jack Cayman. Lange, braune Haare, grundehrlicher Idealist, arbeitet in einer Spezialtruppe für die Regierung. Am Anfang der Kampagne entscheidet ihr euch für einen der beiden. Anschließend werdet ihr auf die verwüsteten Straßen Altambras losgelassen. Nach verehrenden Kriegen, bei denen die ganze Palette atomarer, biologischer und chemischer Waffen eingesetzt wurde, steht nirgendwo mehr ein Stein auf dem anderen. Mutanten, die nur mit Kybernetik zusammengehalten werden, bevölkern die Welt. Die ferne Zukunft sieht nicht rosig aus.

Die Entwickler vernachlässigen jedoch nicht die emotionale Tiefe der Hauptcharaktere. Während Leo auf der Suche nach einem Flüchtigen ist, der sich als sein Mentor herausstellt, kämpft Jack gegen seine inneren Dämonen. Zumindest versucht er aufzuhören, Zigarren zu rauchen. Seine Tochter bat ihn darum. Die ist mittlerweile tot. Die Geschichte ist allerdings kaum der Rede wert, da sie nur krampfhaft, lose und wirr erzählt wird. Beide Protagonisten jagen die gleiche Person und kloppen sich deswegen ständig. Im Auftrag von Jeannie Caxton sucht Jack ihren Vater Maximillian. Der ist Leonhardts Mentor. Und er hat Jacks Tochter auf dem Gewissen. "Gute Zeiten schlechte Zeiten" lässt grüßen.

Anarchy Reigns - Douglas Character Trailer
Mit Douglas Williamsburg wird euch ein weiterer Kämpfer aus der Charakterriege von Anarchy Reigns vorgestellt.

Der stetige K(r)ampf

Kaum betretet ihr die verwüsteten Straßen, gibt es Ärger. Anarchy Reigns ist simpel gestrickt: Ihr prügelt euch wie in einer Mischung aus Streets of Rage und Dynasty Warriors durch die Gegend, was euch Punkte einbringt. Sammelt ihr genügend Punkte, werden Aufträge freigeschaltet. Die sind aufgeteilt in Haupt- und Nebenmissionen. In Nebenmissionen verprügelt ihr Gegner mal unter Zeitdruck, mal mit bestimmten Waffen. Es geht auch kreativer: In einem Transporter bestreitet ihr ein Zeitrennen und rast Wegpunkte ab, während Mutanten euch den Weg versperren. So ganz ohne Gewalt geht es halt nie. Praktisch, dass sich auf dem Gefährt ein Flammenwerfer befindet. Je besser eure Leistung, desto schicker ist die Medaille, die ihr für eure Taten bekommt.

Punkte sind das A und O. Nur so geht es weiter. Bis dahin streift ihr durch die Gegend und kämpft gegen immer gleich aussehende Feinde. Dauert euch das zu lange, dürft ihr bereits absolvierte Missionen wiederholen. Dabei füllt sich euer Punktekonto viel schneller auf. Die Spielhallenära lässt grüßen. Das Schema bleibt während der kompletten Kampagne übrigens gleich: Wurden alle Hauptmissionen abgearbeitet, geht es zum nächsten Schauplatz. Dienst nach Vorschrift sozusagen.

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