Test - Agatha Christie: The ABC Murders : Morde sind sein Hobby

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Wer wollte nicht schon mal in die Rolle eines Detektivs schlüpfen, um rätselhafte Kriminalfälle aufzuklären und besonders gewieften Verbrechern das Handwerk zu legen? Im Adventure Agatha Christie: The ABC Murders bekommt ihr jetzt die Gelegenheit dazu. Wird das Spiel der Romanvorlage gerecht?

Wer den Namen Agatha Christie hört, muss zwangsläufig an zwei weltbekannte Romanfiguren denken: Miss Marple und Hercule Poirot. Letzterer ist die Hauptfigur im neuen Adventure Agatha Christie: The ABC Murders, das auf dem gleichnamigen Roman („Die Morde des Herrn ABC“) der britischen Schriftstellerin basiert. Eines können wir schon mal vorwegnehmen: Die Entwickler von Microids haben hinsichtlich der Originaltreue verdammt gute Arbeit geleistet, was vor allem die Liebhaber des Romans freuen wird.

Das ABC des Mordens

Im Buch sowie im besagten Spiel schlüpft ihr in die Rolle des Privatdetektivs Hercule Poirot, der einem mysteriösen Serienmörder auf die Schliche kommen will. Dieser kündigt seine Taten stets in Briefen an, die lediglich mit den Buchstaben ABC unterschrieben sind. An diesem roten Faden hangelt sich auch das Adventure entlang, sodass Kenner des Romans so manche Vorkenntnis haben dürften.

Doch kommen wir zum eigentlichen Spiel. Agatha Christie: The ABC Murders schickt euch quasi von einem Mordfall zum nächsten, wobei ihr nach Spuren und Beweisen suchen sowie Aussagen aufnehmen müsst. Nur wenn ihr genügend Material findet, könnt ihr letztendlich dem Mörder das Handwerk legen. Klingt spannend, hat aber in der Praxis so einige Tücken.

Das beginnt bereits bei der generellen Aufteilung des Spielgeschehens. Bei den Tatorten spult ihr prinzipiell stets dasselbe Programm ab: Schauplatz absuchen, Rätsel lösen, Hinweise zusammenbringen. Der erste Teil, das Absuchen, verläuft sehr simpel. Ihr müsst lediglich mit der Maus den Bildschirm durchforsten, bis ein Objekt oder mehrere optisch hervorgehoben werden. Da euch das Spiel mitteilt, wie viele Hinweise ihr finden müsst, verpasst ihr auch keinen – recht einfach eben.

Denken auf Schienen

Deutlich interessanter wird es beim reinen Rätseln: Wenn ihr beispielsweise ein kompliziertes Schloss knacken oder die Mechanik eines alten Grammophons wieder zum Laufen bringen müsst, kommen eure grauen Zellen in Schwung. Dabei hat uns vor allem die gute Balance des Schwierigkeitsgrades gefallen. Die Aufgaben sind weder zu leicht noch übertrieben anspruchsvoll. Leider wirken sie oftmals etwas aufgesetzt beziehungsweise vom eigentlichen Mordfall abgekoppelt. Darunter leidet die Atmosphäre ein wenig.

Agatha Christie: The ABC Murders - Launch Trailer
Das Adventure Agatha Christie: The ABC Murders ist ab heute für PC, PS4 und Xbox One erhältlich.

Der dritte Teil der Spielmechanik, das Zusammenfügen der Hinweise, Aussagen und Spuren, soll das beinahe schon mechanische Denken von Hercule Poirot simulieren, was auch recht gut funktioniert und der Romanfigur durchaus gerecht wird. Dank einiger Hilfen ziehen auch ungeübte Hobby-Detektive die richtigen Schlüsse und klären die Mordfälle auf.

Schade nur, dass euch das Spiel zu sehr auf Schienen führt und sich eher auf das Erzählen der Story verlässt. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, wie vor allem die jüngsten Werke von Telltale Games eindrucksvoll bewiesen haben. Doch gerade beim Erzählen der Geschichte hat das Spiel einige Schwächen. Die Animationen der Figuren wirken mitunter arg hölzern, das Spiel der Emotionen ist minimal. Wo Adventures wie Tales from the Borderlands oder The Walking Dead groß auftrumpfen, bleibt Agatha Christie: The ABC Murders etwas blass. Hinzu kommt die relativ geringe Spielzeit.

Fazit

André Linken - Portraitvon André Linken
Detektivarbeit light

Agatha Christie: The ABC Murders hält sich recht eng an die Romanvorlage und das Vorgehen von Hercule Poirot wird gut eingefangen. Auch die Rätsel machen Spaß und haben so manche Herausforderung zu bieten. Alles wirkt aber einen Tick zu schlicht, eine Spur zu vereinfacht und nicht mutig genug. Auch die relativ geringe Spielzeit hinterlässt einen faden Beigeschmack. Insgesamt gesehen haben wir es jedoch mit einem unterhaltsamen Adventure zu tun, das vor allem die Fans von Agatha Christie erfreuen dürfte.

Überblick

Pro

  • hält sich erfreulich eng an die Romanvorlage
  • gute Rätselbalance
  • Denkweise von Hercule Poirot gut simuliert
  • Hilfsfunktionen
  • Trophäen und Punktesystem für zusätzliche Motivation

Contra

  • das Absuchen ist recht simpel
  • wenig Bewegungsfreiheit
  • Rätsel wirken etwas aufgesetzt
  • Präsentation recht hölzern

Wertung

  • PC
    7.0
    /10