Test - Aarklash Legacy : Lustig ist das Söldnerleben

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Nach dem eher missglückten Confrontation von 2012 versucht Cyanide einen neuen Vorstoß in die Aarklash-Welt. Diesmal ist alles anders und die Entwickler haben sich die Kritik durchaus zu Herzen genommen. Wird das für einen Platz im Action-RPG-Olymp reichen? Ist die neue Söldnertruppe genauso cool wie die Greifensoldaten aus dem Vorgänger? Man darf gespannt sein.

Zuallererst: Wer sich mit dem Brettspiel Confrontation ein bisschen auskennt, fühlt sich sofort heimisch, ein Einsteiger aber eher weniger. Was früher als billige Warhammer-Kopie betitelt wurde, besticht durch ausgefallenes Design: Tierwesen in Lack und Leder, viktorianische Goblins, extravagante Magier - damals noch zur Freude der Spieler und zum Entsetzen der Eltern, die zufällig auf das Hobby ihres Sprösslings stießen. Nun, es waren die 90er, und da war Trash gefragt, wie jeder Comic-Fan bestätigen wird, aber das Design hat sich bei Aarklash nicht geändert: Dieser abgefahrene Look zieht sich durch den gesamten Titel, sodass ein Spieler, der den x-ten Aufguss von Action-RPG XY erwartet, erst einmal schlucken muss, denn normal ist hier gar nichts.

Man merkt es schon beim ersten Blick auf die Fertigkeiten: Hier ist Köpfchen gefragt. Der Heiler heilt zwar, aber es handelt sich um eine Blase mit Flächeneffekt, die gerne auch den gerade umgehauenen Gegner wieder aufpäppelt. Noch dazu muss sich der Heiler sein Mana von der eigenen Gruppe klauen. Wer jetzt schon den Kopf schüttelt, der kann sich auf weitere Schocks einstellen, die das Bild der oft kopierten Dreifaltigkeit Schaden-Heilung-Tank arg ankratzen.

Unsere Helden sind cooler als eure Helden

Der Schurke ist wie üblich eine Nahkampfschadensklasse, hat sich aber wohl seine Anti-Magie-Effekte von der Magierin geklaut, die wiederum zwar Schaden fährt wie ein Weltmeister, aber auch Heilsprüche besitzt. Diese müssen schlau eingesetzt werden, wollt ihr nicht schon im Tutorial aus den Latschen kippen. Umdenken ist angesagt, und zwar so fix wie möglich – wer Baldur's Gate noch kennt, kommt aber schnell klar: Mit einem kurzen Tippen auf die Leertaste wird das Kampfgeschehen pausiert und ihr könnt euch den Kopf zermartern, wie ihr wieder heil aus der Schlacht herauskommt. So funktioniert das auch bei Aarklash, aber wer jetzt erwartet, ein gemütliches Vergnügen vor sich zu haben, der wird sein blaues Wunder erleben.

Aarklash: Legacy - Bo Lahm The Brutal Ogre Trailer
Mit Bo Lahm wird euch ein Oger als weiterer Charakter aus Aarklash: Legacy vorgestellt.

Die Kämpfe sind nämlich bockschwer. Taktisch wird einiges verlangt und auch wenn das Spiel die volle Regeneration zwischen den Kämpfen erlaubt, bleibt die Herausforderung stets hoch. Die Monster haben Bundesliganiveau, die eigenen Recken eher nicht. Da hilft dann nur noch die eigene Geschicklichkeit, um aus einer Niederlage einen Sieg zu machen.

Willkommen im Paradies, Soldat

An Niederlagen mangelt es erst einmal nicht. In Aarklash Legacy dreht sich alles um das älteste Gewerbe des Heldentums: den Nahkampf. Wer auf knifflige Rätsel oder komplizierte Charakter-Builds steht, der wird enttäuscht. Auch das Interface ist so einfach wie möglich gehalten, um den Fluss der Action nicht zu stören. Und das ist den Entwicklern auch gelungen. Löblich: Ihr könnt eure Fähigkeiten jederzeit umverteilen, falls ihr euch trotz allem einmal vertan habt.

Habt ihr euch eingewöhnt, wird Aarklash Legacy zum „Die-Party-gegen-alles“-Simulator, allerdings nicht mehr. Die Geschichte ist seicht, das Aufleveln ebenso, weil man nur wenig Auswahl zwischen den Fertigkeiten hat, und das Inventar wirkt geradezu abgespeckt. Dafür sind die Kämpfe astrein, genauso wie Grafik und Sound. Definitiv kurzweilig.

Fazit

Patrick Kohtz - Portraitvon Patrick Kohtz

Aarklash Legacy ist ein gut gemachtes Kampfspiel, aber nicht mehr. Immerhin: Das Spiel lässt bei den spannenden Kämpfen die Muskeln spielen und zieht einen durch die Atmosphäre und die Gestaltung schnell in seinen Bann. Leider war es das auch schon – die Handlung und alles andere, was sonst zu einem Spiel gehört, sind vernachlässigbar. Der Spielfluss ist zwar gut, aber es ist offensichtlich, dass alles nur auf die Kämpfe hin designt wurde. Hätte Aarklash Legacy eine bessere Geschichte, dickere Fertigkeitsbäume und mehr Tiefgang im Charakter-Management, wäre dem Spiel ein Platz auf den vorderen Rängen sicher. So reicht es leider nur zu einem „ziemlich gut, aber ...“.

Überblick

Pro

  • abgefahrenes Design
  • spannende Kämpfe
  • gute Grafik
  • packende Atmosphäre
  • Old-School-Spielkonzept

Contra

  • die Geschichte ist nichts Besonderes
  • knackiger Schwierigkeitsgrad
  • außer den gut gemachten Kämpfen nicht viel Inhalt
  • keine deutsche Lokalisierung

Wertung

  • PC
    7.0
    /10

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