Test - 50 Cent: Blood on the Sand : Der Rapper macht Randale

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Es fällt dieser Tage merklich schwer, das Weltgeschen noch zu begreifen: Die Weltwirtschaft liegt am Boden, George W. Bush ist nicht mehr als eine verblasste Erinnerung, die Bayern verlieren Spiel auf Spiel, es erscheinen kaum noch Erweiterungspakete zu Die Sims 2 - da überrascht es uns auch nicht, dass das neue Actionspiel um den eher unsympathischen Rap-Star 50 Cent gut ist. Wirklich! For real!

50 Cent und das Königreich des Bling-Bling-Schädels

Doch nicht alles, was Bling-Bling macht, ist auch aus Gold. Das trifft ganz besonders auf die Geschichte von 50 Cent: Blood on the Sand zu. Stellt euch einfach vor, eure besten Freunde schleppen euch mit zu einem Konzert von 50 Cent und seiner G-Unit. Natürlich können das keine richtigen Freunde sein. Die Show ist gelaufen und ihr seid froh, es endlich hinter euch gebracht zu haben. Doch für die knallharten Rapper ist das Leben echt kein Zuckerschlecken mehr und anstatt mit heißen Groupies, Drogen und Alkohol das Lotterleben eines Musikstars zu genießen, geht es den wirklich bösen Buben an den Kragen.

Curtis Jackson, so heißt 50 Cent mit bürgerlichem Namen, spürt offenbar ein Riesenloch in seiner Geldbörse, denn 10 Millionen Dollar an Gage fehlen. Da aber jeder gute Promoter einen mit ordentlich Bling-Bling verzierten Menschenschädel in seinem Tresor sein Eigen nennt, könnte sich alles zum Guten wenden. Gäbe es da nicht weitere Interessenten für das Schmuckstück. So beginnt eines der dümmsten, aber auch unterhaltsamsten Videospiele der letzten Monate ...

Nun, das ist erst mal für jeden gestandenen Spieletester ein harter Faustschlag in die Magengegend. Wie soll man es nur schaffen, ein solches Produkt selbst in der mit fünf Stunden sehr kurzen Spielzeit zu überstehen? Die Antwort ist in diesem Falle ganz einfach: Man versucht, es nicht ernst zu nehmen, denn sonst wird man an diesem Werbespiel für 50 Cent und seine G-Unit keinen Spaß haben - entweder man liebt es oder man hasst es. Dazwischen gibt es keinen großen Spielraum für die Geschmäcker.

Der Herr der Klunker

Ebenso klein ist der Spielraum in den streng linearen Abschnitten für die beiden spielbaren Charaktere, denn die namensgebende Hauptfigur ist auf seiner Suche nach dem Bling-Bling-Schädel nie alleine unterwegs. Wahlweise sind Tony Yayo, Lloyd Banks oder DJ Whoo Kid als aktive Begleiter am Start. Kleiner Wermutstropfen: Kooperativ wird nur online gespielt, auf einen Split-Screen wurde verzichtet. Und auch wenn es keine großartige Interaktion wie in Army of Two gibt, so macht der Titel doch zu zweit am meisten Spaß.

50 Cent: Blood on the Sand - Mechanics Doc
50 Cent und seine Crew fahren in 50 Cent: Blood on the Sand schweres Geschütz auf.

Vom Spielverlauf her erinnert das alles frappierend an eine extrem brutale, sinnlose Gewaltorgie mit Perspektive und Deckungssystem von Gears of War, Zeitlupenmodus von Max Payne, den Prügeleien eines Bourne Komplotts sowie dem Kombo-System aus The Club. Doch gut geklaut ist besser als schlecht selbst erfunden, denn die Mischung geht bis auf ein paar überflüssige Macken gut auf.

Fuck! Fuck! Fuck!

Die viel zu ähnlichen Gegnermassen verschwinden nach kurzer Zeit, hinterlassen aber Bling-Bling. Darüber hinaus sind in den Levels Poster und Zielscheiben versteckt, die ein paar ansehnliche Extras im Menü freischalten, darunter auch Musikvideos und Musikstücke, die sich in ihrer Reihenfolge ins Spiel integrieren lassen. Immer wieder gilt es, in der ewig gleichen Animation mit vereinten Kräften Rollläden hochzustemmen oder Holzbarrikaden einzuschlagen. An Telefonzellen meldet sich Raoul, euer persönlicher Waffenschieber. Der hat aber nicht nur Waffen für die vier Waffen-Slots parat, sondern auch neue Schlag-Kombos oder die extrem sinnfreien Verspottungen. Ihr seid jedoch nicht nur zu Fuß unterwegs, denn es gibt noch kurze, schnelle Abschnitte in Fahrzeugen oder Geschützen, wobei der Abschnitt am Helikoptergeschütz noch am meisten gerockt hat. Die wenigen Bosskämpfe beschränken sich leider auch nur auf Kämpfe mit Helikoptern.

Dass die Grafik auf die aktuelle Unreal-Technologie zurückgreift, erkennt man sicherlich an den Screenshots, dementsprechend detailliert und schick fallen Schauplätze und Charaktermodelle aus. Leider sind die Umgebungen wenig dynamisch. Auch wenn uns Blockbuster wie der letzte Indiana Jones etwas anderes vorgaukeln wollen: Kühlschränke sind nicht immun gegen Raketen. Auf der Playstation 3 nimmt 50 Cent: Blood on the Sand knappe drei Gigabyte ein, gespeichert wird automatisch an fair gesetzten Checkpoints. Peace!

Fazit

von Christian Schmitz
Seien wir doch mal ganz ehrlich: Dieses Werk ist nichts anderes als ein überraschend solides Werbespiel für einen alternden Rap-Star und einen mir bis dato unbekannten Waffenschieber namens Raoul. Es klaut dreist die besten Elemente aus Gears of War, The Club, Bourne Komplott und Max Payne. Doch so sehr ich mich auch anstrenge, dieses Spiel mit einer der unsympathischsten Spielfiguren aller Zeiten zu hassen, so sehr begeistert mich das Spiel doch mit eben jener gekonnten Mischung. Bevor jetzt Spekulationen um meinen Musikgeschmack aufkommen: Ich erscheine jeden Tag mit einer Kapuzenjacke der Toten Hosen im Büro.

Überblick

Pro

  • ansprechende Grafik
  • Soundtrack fügt sich gut ein, ist aber auch abschaltbar
  • freischaltbare Extras
  • kompromisslose Action
  • gute Steuerung
  • kooperativer Mehrspielerspaß

Contra

  • lächerliche Story
  • dumme Sprüche
  • sehr linear
  • störende Bildschirmanzeigen
  • anspruchslose Bosskämpfe
  • sehr kurze Spielzeit

Wertung

  • PS3
    72
    %

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